Das mit Abstand beste Feature an meinem neuen Qnap NAS System ist die Dockerunterstützung. Das habe ich auch schon hin und wieder erwähnt. Im Laufe der Zeit sind mir immer mehr Anwendungen eingefallen, für die ich entweder bereits existierende Container benutze oder selbst welche angelegt habe. Welche das sind möchte ich im Folgenden vorstellen:

Mediathekview

Durch das stöbern im Qnapclub Forum bin ich auf die Idee aufmerksam geworden Filme aus den öffentlich rechtlichen Mediatheken direkt auf dem NAS herunterzuladen. Meine erste Überlegung war das ganze mit pyload zu versuchen, was aber scheiterte. Danach kam ich auf die Idee den Cli Client zu verwenden, was aber zum einen durch den Perl Abhängigkeitskrieg unschön zu installieren ist, zum anderen auch relativ wenig Benutzerfreundlich, wenn man einfach zu bedienende Tool Mediathekview gewöhnt ist.
Dann ist mir ein Blogartikel eingefallen, in dem es darum ging GUI Anwendungen in einem Dockerconatiner laufen zu lassen. Mittlerweile gibt es da sogar "fertige" Lösungen die zusätzlich noch einen Remotedesktop Server zur Verfügung stellen auf den man sogar über den Webbrowser zugreifen kann. So war es nicht weiter schwierig einen Container zu erstellen in dem das gewohnte Tool Mediathekview läuft und diesen auf dem NAS zu installieren. Eine Anleitung zum Erstellen und Starten des Conatiners gib es im dazugehörigen github Repo.

DupeGuru

Ein weiteres Programm welches hervorragend auf dem NAS ausgeführt werden kann ist dupeGuru und die dazugehörigen Picture/Music Editionen. Damit lassen sich Duplikate von Dateien aufspüren und direkt mit einem Klick löschen. Besonders praktisch ist die Funktion bestimmte Verzeichnisse als Referenzordner zu kennzeichnen in denen nichts geändert wird. Bei mir findet das in der Bildverwaltung Anwendung: wenn noch Bilder irgendwo auf einem USB Stick oder einer Speicherkarte rumgeistern, prüfe ich mit dupeguru ob diese bereits in meinem Bildverzeichnis auf dem NAS vorhanden sind. Bisher habe ich das auf meinem lokalen Rechner durchgeführt, was aber unnötig viel Zeit in Anspruch nimmt, weil zum Vergleichen der Bilder alle Daten durchs Netzwerk geschickt werden müssen.

GateOne

Besonders hinter Firewalls die so restriktiv eingestellt sind, dass ausgehende SSH Verbindungen nicht zugelassen werden, ist es praktisch, wenn man einen eigenen GateOne Server betreiben kann, der einen SSH Client via https für den Browser bereitstellt. Das dafür notwendige Docker Image wird direkt vom GateOne Entwickler bereitgestellt und kann ohne Probleme via Container Station installiert werden.

EcoDMS mit docker-mergepdf

Die Tools rund um das Dokumenten Management System habe ich schon in einem eigenen Artikel beschrieben und sollen hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden.

Handbrake

In meiner Videosammlung finden sich hin und wieder noch .iso und .mkv Dateien von DVDs für die ich beim Sicherheitskopieren zu faul war direkt einen Rip/Konvertierungsvorgang durzuführen. Nun gibt es zwar für mkv Dateien und andere Dateiformate einen Qnap eigenen Transcoder der mir persönlich aber zu wenig Einstellungen bietet und sich auch nicht in einem Bashskript verpacken lässt, das beispielsweise nach der erfolgreichen Kodierung die Quelldateien löscht. Abhilfe schafft Handbrake, welches für meinen Geschmack genau der richtige Mittelweg zwischen gerade noch bedienbar und Usabillity Katastrophe in Sachen Video Konvertern (unter Linux) ist. Der Container basiert auf der gleichen Grundlage wie der Mediathekview Container und kommt neben den RDP/WebVNC Oberflächen auch mit HandbrakeCli daher, welches sich für die Skriptverarbeitung anbietet.

Booksonic

Für die Organisation von Hörbüchern war ich lange auf der Suche nach dem richtigen Mittel der Wahl, denn weder Kodi noch das Qnap eigene Qmusic oder der als qpkg Paket erhältliche, freie Musikplayer Clementine sind in der Lage eine Hörbuchbibliothek zu verwalten. Was sich insbesondere darin äußert, dass Features wie das Speichern der aktuellen Position oder die Möglichkeit von mehreren Clients oder gar Smartphone Apps darauf zugreifen zu können. Booksonic basiert auf der Multimediabibliothek Subsonic und versucht diese Lücken zu schließen. Kurzgesagt ist es eine Art selbstgehostetes Audible. Die Hörbücher werden auf dem Server gespeichert und können via Webclient oder Android-App (die wiederum auf DSub basiert) angehört oder heruntergeladen werden. Der entsprechende Anwendungscontainer wird hier zwar nicht vom Entwickler selbst bereitgestellt, wohl aber in Zusammenarbeit mit Ihm entwickelt.

Fazit

Durch die Möglichkeit Dockercontainer auf dem NAS laufen zu lassen sind der Ideenvielfalt fast keine Grenzen gesetzt. Gerade langlaufende Aufgaben wie das Umwandeln von Videodateien oder das Suchen nach Duplikaten eignen sich hervorragend dazu direkt auf dem NAS ausgeführt zu werden, das sowieso fast durchgängig läuft. Wiederkehrende Sendungen können mit Mediathekview bei entsprechender Konfiguration automatisch zur bestehenden Multimedia-Bibliothek hinzugefügt werden.
Unter versierten Lesern, die es bis hier unter geschafft haben, könnte jetzt noch die berechtigte Frage aufkommen "Gibt es für solche Anwendungen nicht die Linux Station?" und die Antwort lautet jein. Zum einen hatte mein NAS als ich begonnen habe diesen Artikel zu schreiben noch nicht genug RAM[1] um die Linux Station überhaupt installieren zu können (es werden mindesten 4GB vorausgesetzt) zum anderen ist die Docker Variante wesentlich modularer. Sobald ein Dienst nicht benötigt wird, kann der Container gestoppt werden und zu einem späteren Zeitpunkt genau an der Stelle wieder fortgesetzt werden. Weiterhin ist die Linux Station nicht mit der HD Station kompatibel, was bedeutet, das zeitgleich immer nur die HD Station oder die Linux Station laufen kann.


  1. Mittlerweile habe ich das System auf stolze 16GB RAM erweitert. Wer hat der kann ;) ↩︎