Als ich mich vor einer Weile dazu entschlossen habe, mir eine Spiegelreflexkamera zuzulegen spielten viele Faktoren eine Rolle. Insbesondere natürlich der Preis und die dafür enthaltenen Leistungsmerkmale.
Da ich bisher nur gute Erfahrungen mit Nikon Kameras hatte ist es bei mir auch eine Nikon aus dem Niedrigpreissegment (D5100) geworden.
Eine Sache mit der ich mich vor dem Kauf leider nicht beschäfigt habe, ist das Bildformat welches die Kamera verwendet um die RAW Bilder zu speichern. Denn wie sich herausstellte ist es zwar ohne weiteres möglich die von der DSLR erzeugten .NEF Dateien unter GNU/Linux anzuzeigen und auch zu bearbeiten, aber dennoch gibt es einige Probleme im Detail.
Los ging es bei mir mit einem Bild bei dem ich mit der Belichtungszeit/Blendenöffnung experimentiert habe und es daher ein wenig unterbelichtet war. Und das zu beheben öffnete ich das Bild in Darktable und stellte fest, dass die Qualität der RAW Datei erheblich schlechter war, als die von der Kamera erzeugte JPG Datei. Nach einer verzweifelten Suche im Netz landete ich schließlich im Darktable IRC wo mir recht schnell erklärt wurde, was genau das Problem ist, und das ich es nicht wirklich mit Darktable lösen kann.
Ursache war folgende: die Kamera verwendet bei der Speicherung der JPG Datei bestimmte Algorithmen zur Bildoptimierung wie Rauschunterdrückung und Farbanpassungen. Welche das jedoch genau sind bzw. mit welchen Parametern ist nicht jedoch ein Firmengeheimnis und demnach nicht mit Hilfe von freier Software nachahmbar (zumindest nicht entsprechend exakt).

If you want the nikon results, you have to use the nikon software.

Nach weiterer Recherche musste ich feststellen, das dies nicht nur ein Problem von freier Software wie Darktable ist, sondern das auch Lightroom Nutzer davon betroffen sind. Hier werden die Unterschiede mittels anschaulicher Beispiele dargestellt. Die dort vorgeschlagene Lösung ist die Konvertierung zum Dateiformat TIFF mit der von Nikon bereitgestellten Software wie ViewNX oder Capture NX2. Für mich stellt das jedoch nich wirklich eine Alternative dar, denn neben den JPG und RAW Dateien müssten für die zu bearbeitenden Bilder zusätzlich noch die TIFF Dateien gespeichert und verwaltet werden, welche relativ betrachtliche Dateigrößen (>70MB) haben.
Weiterhin ist zu beachten, dass nach der Umwandlung zu TIFF bestimmte Einstellungen wie z.B. der Weißabgleich nicht mehr nachträglich verändert werden können. Demnach würde ein zusätzlicher Workflow entstehen der wie folgt aussehen würde:

  1. Bilder in ViewNX importieren/öffnen
  2. Weißabgleich einstellen
  3. Dateien zu TIFF konvertieren
  4. Dateien verwalten (bei mir mittels digikam)
  5. Feintuning mittels darktable durchführen

Für einige besondere Bilder mag dieser Aufwand sicher gerechtfertigt sein, jedoch für alle "normalen" Fotos möchte sich das sicher niemand antun. Insbesondere gibt es zu beachten das ViewNX und Capture NX2 nur für Windows verfügbar sind und sich auch nicht mittels Wine[1] unter Linux[1:1] ausführen lassen.

Lösung?

Für mich gibt es derzeit keine wirklich elegante Lösung des Problems. Einerseits möchte ich ungern die in dem verlinkten Artikel beschriebenen Details einfach in Kauf nehmen und bei der Qualität der Bilder Abstriche machen, andererseits habe ich keineswegs genügend Zeit alle Bilder manuell mit darktable so nachzubearbeiten, das die zufriedenstellend sind, auch wenn das prinzipiell möglich ist[1:2].
Auch auf meine bestehende Softwarekombination, digikam für die Verwaltung + darktable für die Bearbeitung, möchte ich nicht verzichten. Demnach bleibe ich vorerst bei der Einstellung RAW+JPG gleichzeitig zu speichern, verwende Hauptsächlich die JPGs und für ausgewählte Schnapschüsse gehe ich den oben beschriebenen Weg über das TIFF, welches in einer Windows VM exportiert wird, oder versuche manuell in Darktable entsprechend gute Ergebnisse zu erzielen.

UPDATE:

Gerade als ich den Blogeintrag fertigstellen wollte bin ich auf einen darktable Pullrequest bei GitHub aufmerksam geworden der sich mit der Nikon D5100 befasst und die Basiskurve anpasst, sodass die Bilder auch ohne Bearbeitungsschritte schon mal erheblich besser aussehen. Vermutlich wird der Code übernommen und in der nächsten Version von darktable verfügbar sein.


  1. Hilfreich ist hier unter anderem das Equalizer Modul, welches in Sachen Rauschreduzierung wirklich gute Arbeit leistet. ↩︎ ↩︎ ↩︎